Walter Thiemanns Erinnerungen 2024 in Buchform erschienen

Das Foto von der Buchvorstellung zeigt Norbert Diekmann (Bildmitte) und dem Pastoren-Enkel Hans Joachim Thiemann mit Ehefrau Almuth aus Siegen (rechts im Bild)

„In meines Herren Hand“ lautet der Titel des Buches, das vom Heimatverein Gronau herausgegeben wurde. Inhaltlich geht es dabei um Pastor Thiemanns Erinnerungen um den Kirchenkampf in der NS-Zeit. Dessen Aufzeichnungen wurden durch zahlreiche Anmerkungen und durch die Wiedergabe weiterer Quellen vor allem zum „Kirchenkampf“ in Gronau ergänzt.

Walter Thiemann wurde 1934 als neuer Pfarrer der Evangelischen Gemeinde in Gronau gewählt. Durch sein Engagement gegen völkische Umtriebe im Tecklenburger Land in den 1920-er Jahren war er schon als Nazi-Gegner bekannt. Die örtlichen Nazis bekämpften den gebürtigen Wuppertaler mit allen Mitteln. 1939 erfolgte die Festnahme, Thiemann wird Polizeihäftling in Münster und danach KZ-Häftling in Buchenwald. 1940 wird er freigelassen, durfte aber nicht wieder in Gronau tätig werden. Er wurde Pfarrer im Siegener Land, wo er dann nach 1945 u.a. publizierte und sich für die christlich-jüdische Zusammenarbeit engagierte.

Das 208 Seiten umfassende und durchgehend illustrierte Buch ist zum Preis von 17,90 € im Buchhandel sowie direkt beim Heimatverein Gronau erhältlich.

Quelle: Heimatverein Gronau, Facebook-Eintrag vom 7.10.2024

Biografien zum Widerspruch und Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Kreisgebiet Siegen-Wittgenstein

Kritische Anmerkungen und vier Ergänzungen

“ …. Die Initiatoren appellieren an die Leser mitzuarbeiten: zu erweitern, zu präzisieren, zu aktualisieren.“
aus: Ulrich Friedrich Opfermann: Im Netz: Ein drittes regionales Personenverzeichnis zur Zeitgeschichte, in: Siegener Beiträge 22 (2017-18), S. 254-257, hier: S. 257.

siwiarchiv ist diesem Appell schon immer gerne nachgekommen – erinnert sei an Andreas Vomfell und Dr. Hugo Gloede.

Zunächst gilt es einige allgemeine Bemerkungen zu machen. Aus nachvollziehbaren Gründen ist ein direktes Einpflegen neuer Einträge oder Ergänzugen von Dritten nicht möglich; so entfällt eine aufwändige Redaktion. Dies nimmt allerdings dem Appell, ebenso wie die fehlende Kommentarfunktion, ein wenig den Schwung. Weiterlesen →

Online: Dr. Christine Roßberg: „Das Leben und Wirken des deutschen Kommunisten Walter Krämer

ein Vorbild für die Mitarbeiter des Gesundheitswesens in der Deutschen Demokratischen Republik“

Der VVN/BdA Siegerland-Wittgenstein hat unlängst die 1970 erschienene medizinhistorische Dissertation Christine Roßbergs über den aus Siegen stammenden Kommunisten Walter Krämer online verfügbar gemacht.
Quelle: VVN/BdA Siegerland Wittgenstein via Facebook

Dr. Hugo Gloede (1882-1967). Jurist und Kreistagsmitglied in Bad Berleburg

Erste Rechercheergebnisse nach einer Anregung auf den siwiarchiv-Beitrag zu Walther Hesse.

– * 1.1.1882 in Mützelburg (Pommern), gest. 20.2.1967[1]
– „Seit September 1911 lebte Hugo Gloede in Berleburg. Er war promovierter Jurist und in Berleburg als Rechtsanwalt tätig.“[2]
– 1912 Ernennung zum Notar[3]
– 1914 – 1930 (?)Verwaltungsrat der Sparkasse [4]
– 1916 Oberleutnant und Adjudant 1. Ersatz Batallion Inf. Regiment Nr. 149[5]
– 1919 Mitglied Kriegerverein Berleburg[6]
– 1921 Mitglied des Kreistags Wittgenstein, u.a. Verwaltungsrat der Sparkasse[7]
            1930 Zeuge im Kreissparkassenprozess[8]
– 1921 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Berleburg, u.a. Mieteinigungsamt[9]
– 1921 Bis Mai Vorsitzender des SGV Abt. Berleburg[10]
– 1931 Anwalt des Klägers Dr. Otto Nölke im Beleidigungsverfahren gegen Otto Schwarz[11]:

Quelle: Wittgensteiner Kreisblatt, 26. September 1931

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Heute vor 145 Jahren: Walther Hesse (1881 – 1968)

Rechtsanwalt und Notar, Oberstaatsanwalt in Siegen, Bürgermeister in Bad Laasphe und Mitglied des Kreistages Wittgenstein

Walther Wilhelm Hesse (1881 – 1968)

    • Als Sohn eines Amtsrichters wurde Rechtsanwalt Hesse am 7. August 1881 in Triebei (Mark Brandenburg) geboren.[1]
    • verheiratet mit Katharina Hesse geb. Schrader[2]
    • Dem Kreise Wittgenstein ist Rechtsanwalt und Notar Walther Hesse nahezu vier Jahrzehnte verbunden gewesen.[3]
    • Nachdem Walther Hesse 1935 in einem Zivilprozess einen jüdischen Laaspher (Hermann Hess) vertreten hatte, wurde auf Initiative des Laaspher Alten Kämpfers und Lehrers Walther Balzer in der Nähe seiner Kanzlei ein zehn bis 15 Meter langes Transparent mit der Aufforderung „Geht nicht zu jüdischen Rechtsanwälten“ angebracht. In der „Wittgensteiner National-Zeitung“ der NSDAP hatte Balzer zuvor schon Walther Hesse diffamiert.[4]

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Online: „Doing City“ – Praktiken von Urbanität

Perspektiven in westdeutschen Städten. Moderne Stadtgeschichte 1/2026

„Inhalt
Seit der kulturhistorischen Wende verschiebt sich in der Stadt- und Urbanisierungsgeschichte der Fokus von der geplanten und gebauten zur gelebten und gedeuteten Stadt. Ausgehend von ethnologischen Impulsen rücken Praktiken als Alltagsroutinen und habitualisierte, wissensbasierte Handlungen in den Mittelpunkt, die soziale Bedeutung diskursiv wie performativ erzeugen. Für die Urbanisierungsgeschichte eröffnet dies die Möglichkeit, konkrete Herstellungsprozesse von Urbanität, als Doing City, im historischen Wandel exemplarisch dicht zu analysieren. Das Themenheft erweitert die in der Stadtethnologie etablierte Perspektive des Doing City um eine historische Dimension. Es geht auf eine Tagung an der Universität Siegen im November 2025 zurück, die den Stadt-Raum als soziale Konstruktion der Moderne aus praxeologischer Perspektive diskutierte. Die Beiträge behandeln Beispiele aus Deutschland, zumeist lokale Fallstudien, und blicken mit einem Schwerpunkt in den 1970er Jahren auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. “

Das aktuelle Heft enthält zwei wichtige Beiträge zur Geschichte der Stadt Siegen: Weiterlesen →

Projekt „Gelber Stern“: Stadtarchiv Siegen wird zum Lernort

Im Zuge des Projekts „Gelber Stern“ besuchte die vierte Klasse der Diesterwegschule das Stadtarchiv.

Oliver Teufer, zeigt auf die Werbeanzeige des Kaufhauses Tietz in den 1920er Jahren. Schüler:innen der Diesterwegschule blicken interessiert auf das Gezeigte .

Den Kindern wurde durch die Projektreihe altersgerecht und verständlich die Geschichte der Judenverfolgung in Deutschland zwischen 1933 und 1945 vermittelt.

Oliver Teufer, Mitarbeiter des Stadtarchivs, führte die interessierten Schülerinnen und Schüler kindgerecht am Beispiel von Archivmaterial, wie Zeitungsartikeln von der Eröffnung des ehemaligen Kaufhauses Tietz im Jahr 1928 – dem heutigen KrönchenCenter – an die Arbeit mit historischen Quellen heran. Die Bauakte des Gebäudes mitsamt den Bauplänen war ebenfalls Teil der Vorstellung. Außerdem erfuhren die Kinder, welche Auswirkungen die nationalsozialistische Politik, etwa durch die Arisierung des Kaufhauses, auf Siegen hatte. In einer Abschlussrunde konnten die Teilnehmenden ihre neuen Erkenntnisse präsentieren.

Das Projekt „Gelber Stern“ ist von der Gedenkstätte Bad Laasphe initiiert worden, um Grundschulkinder geschichtliches Wissen über die Judenverfolgung in Deutschland zu vermitteln. Das Stadtarchiv Siegen ist dabei ein Kooperationspartner.
Quelle: Stadt Siegen, Pressemitteilung v. 20. Juli 2026

»Nie wieder ist jetzt« – Neue Gedenkstelle in Olpe eröffnet

Vor zwei Jahren begann die Initiative Jüdisches Erbe in Olpe mit der Suche nach einem Ort des Gedenkens – heute steht sie: die Gedenkstelle in Form einer Doppel-Helix-Skulptur, geschaffen von 25 Schülern der St. Franziskus-Schule, des Städtischen Gymnasiums und der Sekundarschule.

Kunst als Brücke:
Mit Unterstützung der Kunstpädagogin Carmen Magers formten die Jugendlichen Tonmodelle, die in Beton gegossen wurden – ein Material, das auch zukünftigen Generationen Raum für Weiterentwicklung lässt.
„Sichtbarkeit führt zur Auseinandersetzung.“

Im Herzen der Stadt:
Die Stele steht in Sichtachse zum ehemaligen Kaufhaus der jüdischen Familie Lenneberg – ein Zeichen, das Erinnerung in die Mitte der Gesellschaft holt.

„Nie wieder ist jetzt“ – so appellierte Bürgermeister Tobias Schulte an die Versammelten:
Verteidigt Freiheit, Rechtstaatlichkeit und Toleranz. Olpe bleibt bunt – und steht gegen Antisemitismus und Hetze.

Jeder formte seine Idee – gemeinsam entstand ein Zeichen der Annäherung:
„Jüdisches und nichtjüdisches Leben sollen sich annähern – das Verbindende ist stärker als die Unterschiede.“

Auf dem Sockel steht in Edelstahl-Lettern: „Sei ein Mensch.“
Quelle: Olpe, 15.7.2026

Entscheidet heute der Rat der Stadt Siegen über den Lern- und Gedenkort in der Siegener Fludersbach?

Am 16. Juni 2026 stellten die Siegener VVN/BdA mit der Geschichtswerkstatt Siegen und das Aktive Museum Südwestfalen (AMS) ihre unterschiedlichen Konzepte im Kulturausschuss vor:

 

Ohne eine Entscheidung zu treffen beauftragte der Kulturausschuss daraufhin die Verwaltung, ob ein gemeinsames Konzept der beiden Akteure erarbeitet werden könne.

Eine Vorstellung des AMS-Konzeptes im Ausschuss für Kultur, Tourismus und Ehrenamt des Kreises Siegen-Wittgenstein am 17. Juni 2026 wurde von der Verwaltung wieder von der Tagesordnung genommen.

Im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Siegen am 8. Juli 2026 stellte die Verwaltung folgende Vorlage zur Abstimmung: Weiterlesen →